In die internationalen europäischen Verflechtungen sind heute nicht mehr nur die Großunternehmen eingebunden, sondern diese Verflechtungen durchdringen immer mehr alle wirtschaftlichen Aktivitäten. In dem Maß, wie Einkaufsquellen, Absatzmärkte und Standorte europaweit gesucht werden, verschwinden gleichzeitig nationale Nischen, die früher vielleicht Preis- oder Qualitätsunterschiede verborgen haben.
Wer muss was künftig können in Europa?
Auch die kleinen und mittleren Unternehmen müssen sich also darauf einrichten, ihre erfolgreiche Zukunft auf einem europäischen Markt zu finden. Dazu müssen sie die Chancen erkennen, die ihnen ein solcher Markt bietet. Sie müssen die Vorteile eines internationalen Einkaufs nutzen und diese Chancen in eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit umsetzen. Die Unternehmen müssen eine moderne Personalentwicklung nutzen, um rechtzeitig so etwas wie eine ‚internationale Kompetenz‘ aufzubauen. Eine ‚internationale Kompetenz‘ des Unternehmens setzt jedoch auch eine ‚internationale Kompetenz‘ der Mitarbeiter voraus. So etwas kann man im Unternehmen nicht einfach anordnen – so etwas muss entwickelt werden. Die richtigen Mitarbeiter müssen eingestellt werden. Man muss im Unternehmen auch dafür gesorgt werden, dass die vorhandenen Mitarbeiter das notwendige Können und die richtigen Einstellungen haben. Mit Fremdsprachenkenntnissen und weltoffen denkenden Mitarbeitern allein ist den Unternehmen aber dann noch nicht ganz geholfen. Auch die Organisationsstrukturen, die Wege der Kommunikation und die Unternehmenskultur müssen international ausgerichtet werden.
Fehlende Fremdsprachenkenntnisse kosten Millionen
Beim Aufbau internationaler Aktivitäten muss man in den meisten Fällen feststellen, dass die mangelnden Sprachfertigkeiten von Mitarbeitern die Haupthindernisse darstellen. Auch wenn in Deutschland die Schulabgänger Englisch gelernt haben, die Sprache wird jedoch häufig nach der Schule nicht benutzt und geht daher schnell verloren. Einer Studie der Europäischen Kommission zufolge fehlen in vielen Unternehmen Mitarbeiter, die Fremdsprachen beherrschen. Das Ausmaß der „Sprachlosigkeit“ ist groß: Elf Prozent von hochgerechnet 945.000 Exportunternehmen sind dadurch von Auftragsverlusten betroffen.
Die IHKs bieten Prüfungen an
Die Implementierung von Fremdsprachenqualifikationen in die berufliche Aus- und Weiterbildung wird seit Mitte der 1990er Jahre betrieben. Die pflichtgemäße Realisierung einer Fremdsprache ist in neugeordneten Ausbildungsberufen vielfach schon Standard. Zusatzqualifikationen für Auszubildende werden von den IHKs ebenfalls seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt gefördert. Insbesondere für lern- und leistungsstärkere Jugendliche gibt es diese Angebote, die innerhalb der Regelausbildungszeit vermittelt werden. Mittlerweile führen die IHKs in diesem Bereich jährlich bundesweit über 3.000 Prüfungen zur Zusatzqualifikation ‚Fremdsprache für Auszubildende‘ durch. Es wird hier unterschieden zwischen Prüfungen für kaufmännische und für gewerblich-technische Auszubildende. Die Prüfungsvorschriften sind inzwischen fast flächendeckend je nach örtlichem Bedarf erlassen. Sie sind weitgehend auch inhaltlich identisch entwickelt worden. Zusatzqualifikationen können auch eine Alternative zur Verkürzung der Ausbildungszeit sein.
Im Bereich der Weiterbildung bieten die IHKs verschiedene Prüfungen auf unterschiedlichen Niveaus an. Zielgruppe sind Mitarbeiter in Serviceeinrichtungen, Import- oder Exportsachbearbeiter und Führungskräfte sowie Übersetzer und Dolmetscher. Die Angebote orientieren sich an dem vom Europarat entwickelten gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachenlernen und Sprachenunterricht (CEF). Die IHks prüfen in verschiedenen Sprachen, z. B. Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch, Türkisch, Russisch und Deutsche (als Fremdsprache). Grundsätzlich ist Deutsch aber immer ein Thema in den IHK-Prüfungen – entweder als Ausgangs- oder als Zielsprache. Bei vielen Abschlüssen spielen auch die kulturellen und sprachlichen Gepflogenheiten, die sogenannte interkulturelle Kommunikationskompetenz, eine Rolle. Die Vorbereitungen auf die Prüfungen liegen in der Regel bei Sprachschulen, Berufskollegs oder Dozenten, die freiberuflich und außerhalb der Unternehmen Leistungen anbieten.
Was guter Sprachunterricht bieten sollte, welche Fördergelder es für Sprachenlerner gibt und mit welchen Tipps und Tricks das Lernen leichter fällt, zeigt der Leitfaden der Stiftung Warentest.
Er steht als Infodokument unter: http://www.test.de/themen/bildung-soziales/infodok/-Weiterbildung-kompakt/1773167/1773167/ kostenlos zum Download zur Verfügung.
Finden Sie auf WIS die Weiterbildungsprofile für die IHK-Fremdsprachenabschlüsse.